Berlin – Hauptstadt der Wissenschaftlerinnen

Eine Ausstellung im Roten Rathaus zeigt Wissenschaftlerinnen, die in Berlin wirken oder gewirkt haben, darunter die erste BHT-Professorin Ingeborg Meising. Die Porträts der Frauen wurden bei Wikipedia-Edit-a-thons des Berlin Institute of Health gemeinsam mit Bürger*innen erstellt.

Bild: Berlin Institute of Health in der Charité (BIH)

Um Frauen in der Wissenschaft mehr Sichtbarkeit zu geben, hat das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) gemeinsam mit Bürger*innen umfangreiche Wikipedia-Einträge zu Berliner Wissenschaftlerinnen der Vergangenheit und Gegenwart erstellt oder weiterentwickelt.

Auf dieser Grundlage ist eine beispielhafte Ausstellung entstanden. Sie verleiht Frauen, die als Pionierinnen den Weg für künftige Wissenschaftlerinnen ebneten, die verdiente Anerkennung und lässt exemplarisch das Wirken herausragender Forscherinnen der Gegenwart sichtbar werden.

„Die Welt der Wissenschaft gehört euch!“

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, erklärte zur Eröffnung der Ausstellung:

„Viele großartige Wissenschaftlerinnen haben Berlin über Jahrzehnte zu der führenden Innovationsmetropole gemacht, die sie heute ist. Diese Ausstellung will einen Beitrag dazu leisten, ihre Arbeit zu würdigen und vor allem jeder Schülerin und jungen Frau zurufen: Die Welt der Wissenschaft gehört euch.“

Außergewöhnliche Vertreterinnen ihres Fachs

Die Besucher*innen lernen außergewöhnliche Vertreterinnen ihres jeweiligen Faches kennen, die allesamt zumindest Abschnitte ihres wissenschaftlichen Lebens in Berlin verbrachten, u.a.:

  • Theda Borde, Sozialmedizinerin, leitete als Rektorin die Alice Salomon Hochschule Berlin
  • Emmanuelle Charpentier, Chemikerin, erhielt für ihre Genschere CrisprCas 2020 den Nobelpreis
  • Cécile Vogt, Hirnforscherin, wurden 13 mal für den Nobelpreis nominiert, bekam ihn aber nie
  • Marlis Dürkop-Leptihn, Soziologin und Politikerin, wurde nach 118 männlichen Vorgängern zur ersten Präsidentin der Humboldt-Universität gewählt

Erste BHT-Professorin: Ingeborg Meising

Unter den porträtierten Frauen ist auch Ingeborg Meising. Die Informatik-Professorin war in Vielem, was Sie tat, die erste und einzige Frau. Ihr beeindruckender Weg führte Ingeborg Meising von der Technischen Hochschule Berlin (heutige TU Berlin), wo sie 1942 ihr Diplom erwarb, an die Friedrich-Wilhelms-Universität (heutige Humboldt-Uni), wo sie nur drei Jahre später promovierte und anschließend noch zwei Staatsexamen zum Lehramt ablegte.

Ab 1950 lehrte sie an der Staatlichen Ingenieurschule Beuth – als einzige Frau in ingenieur- oder naturwissenschaftlichen Fächern. Als der Direktor ihre Einstellung nachträglich ablehnte, wechselte sie 1954 an die Staatliche Ingenieurschule Bauwesen und stieg dort zur Oberbaurätin auf. Nach Gründung der heutigen Berliner Hochschule für Technik 1971 (damals als Technische Fachhochschule Berlin) wurde sie deren erste Professorin und erste Inhaberin eines C3-Lehrstuhls für Mathematik und Datenverarbeitung. Zudem war sie Leiterin des Rechenzentrums.

Für ihre Verdienste, auch um die Chancengleichheit von Frauen in technischen Berufen, wurde sie 1981 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Der größte Hörsaal der BHT trägt ihren Namen.

Nur 17 Prozent der Wikipedia-Biografien über Frauen

„Es hat uns einen Riesenspaß gemacht, in all diesen Biografien zu stöbern und sie für Wikipedia aufzubereiten“, erklärt Karin Höhne, die als Beauftragte für Chancengleichheit am BIH das Projekt leitete.

In drei Edit-a-thons, Schreibwerkstätten, haben Höhne und die Projektkoordinatorin Carmen Kurbjuhn Interessierte mit Wikipedia-Expertinnen zusammengebracht, um die Biografien in die weltweit größte Enzyklopädie einzupflegen. „Nur 17 Prozent aller Biografien in Wikipedia sind Frauen gewidmet“, erklärt Kurbjuhn, „kein Wunder, dass sie weniger bekannt und anerkannt sind. Das wollten wir ändern!“

Insgesamt 50 Teilnehmer*innen – vom 16-jährigen Zehntklässler bis zur 70-jährigen Seniorin – erstellten insgesamt 16 neue Beiträge und bearbeiteten über 150 bestehende Artikel auf Wikipedia.

Eintritt frei bis 20. Dezember 2021 im Roten Rathaus

Die Ausstellung „Berlin – Hauptstadt der Wissenschaftlerinnen“ ist vom 20. Oktober bis zum 20. Dezember 2021 im Roten Rathaus, Rathausstraße 15, 10178 Berlin, werktäglich von 10 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt zugänglich.

Danach wird sie als Wanderausstellung an verschiedenen Orten Berlins und als online-Variante auf der BIH-Webseite www.bihealth.org zu sehen sein.

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