Aus Bauwerken werden Datensätze: Prof. Dr. Werner Stempfhuber reist in ferne Länder, um historisch bedeutsame Stätten zu vermessen und auf diese Weise digital für die Nachwelt zu erhalten. Seine Auslandsaufenthalte sind kräftezehrend und abenteuerlich, doch die Neugier treibt ihn an.
Während eines Forschungsaufenthalts in Ägypten hat Prof. Dr. Werner Stempfhuber den berühmten Luxor-Tempel vermessen. Bild: Stempfhuber
November 2025: Nachdem sich der Sturm vor der Küste Kenias gelegt hatte, brach Prof. Dr. Werner Stempfhuber auf. Ein Boot brachte ihn und zwei Kollegen aus Südafrika zu einer fernen Insel. „Es war wirklich die entlegenste Ecke“, erinnert sich der Geodäsie-Experte der Berliner Hochschule für Technik (BHT). Anschließend ging es weiter zu Fuß durch dichten Urwald. Plötzlich tauchte das Ziel auf: eine der ältesten Moscheen Afrikas, überwuchert von Mangroven.
Erst als die Ruine freigelegt war, begann für den Professor die eigentliche Arbeit: die präzise Vermessung des Bauwerks mit einem mitgebrachten 3D-Laser-Scanner. Aus den gewonnenen Daten entstand später ein exaktes digitales Modell.
Zamani-Projekt dokumentiert Kulturerbe
Prof. Dr. Werner Stempfhuber, der an der BHT Praktische Geodäsie lehrt, beteiligt sich seit 2016 an den Expeditionen des Zamani-Projekts, mit dem er während eines Forschungssemesters in Kapstadt erstmals in Kontakt kam.
Das Projekt dokumentiert historische Bauwerke und archäologische Stätten. An der internationalen Kooperation, geleitet von der Universität Kapstadt, beteiligen sich Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und lokale Institutionen.
Mittlerweile wurden mehr als 200 Bauten dokumentiert. Die Datensätze und die daraus berechneten 3D-Modelle stehen als Open Source zur Verfügung. Einige lassen sich auch als virtuelle Rundgänge erkunden.
Mit den Informationen soll nicht nur das Kulturerbe dokumentiert werden. „Die hochaufgelösten Daten bilden die Grundlage für die weitere archäologische Forschung“, sagt der Professor. Außerdem sei mit ihnen der originalgetreue Wiederaufbau beschädigter Gebäude möglich.
Vermessung unter extremen Bedingungen
Werner Stempfhuber selbst dokumentierte für das Zamani-Projekt bereits zahlreiche Stätten. Dazu zählen die Felsenstadt Petra in Jordanien sowie die ägyptischen Tempelanlagen von Medinet Habu, Abu Simbel und Luxor.
In Kenia und Tansania standen Bauwerke der untergegangenen Swahili-Kultur im Fokus, darunter die Moschee auf der abgelegenen Insel Lamu. In Myanmar vermaß der Professor einsturzgefährdete Tempel.
Die Auslandsaufenthalte, zu denen Stempfhuber meistens allein aufbricht, zehren an den Kräften. Die Anreise nach Kenia habe beispielsweise beinahe zwei Tage gedauert. Erschwerend sei der Transport des teuren Messgeräts hinzugekommen. Oftmals gebe es Probleme mit dem Zoll. „Vor Ort muss man flexibel sein und die Ansprüche dürfen nicht hoch sein“, schildert er.
Während des Aufenthalts werde jeden Tag so lange gearbeitet, bis die Batterien des Laser-Scanners leer seien oder die Nacht hereinbreche.
Für jedes Bauwerk entstehen rund zwei Terabyte Rohdaten. Zurück in Deutschland müssen sie bereinigt werden, um anschließend digitale 3D-Abbilder berechnen zu können.
Prof. Dr. Werner Stempfhuber in Luxor
Bild:
privat
Studierende profitieren
Für jedes Bauwerk entstehen rund zwei Terabyte Rohdaten. Zurück in Deutschland müssen sie bereinigt werden, um anschließend digitale 3D-Abbilder berechnen zu können.
Von den Forschungsreisen ins Ausland profitieren Stempfhuber zufolge auch die BHT-Studierenden im Bachelor und Master Geoinformation: Praktische Erfahrungen im Umgang mit Laserscantechnologie fließen in die Lehre ein. Im Labor für Geodätische Messtechnik kommen die Datensätze zum Einsatz, um neue Auswertungs- und Darstellungsmethoden auszuprobieren. Ebenso entstehen Projekte für Abschlussarbeiten.
Stempfhuber beteiligt sich am Zamani-Projekt nach eigenen Angaben aus wissenschaftlicher Neugier und aus der Überzeugung, einen Beitrag zum Erhalt des Kulturerbes zu leisten. Außerdem bekomme er während der Arbeit die Chance, die Atmosphäre vor Ort intensiv wahrzunehmen.
„Ich sehe spannende Orte, die Touristen verborgen bleiben“, sagt der Professor. Er treffe dabei auf interessante Kulturen und Menschen. Darüber hinaus profitiere er auch beruflich: „Für uns Hochschullehrer ist die praktische Arbeit genauso wichtig wie die Theorie.“
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