Zwischen Ruder-WM und Hörsaal

Medaillenrennen und Klausuren: Ruderer Mattes Schönherr feiert Erfolge im Deutschland-Achter – und studiert parallel Augenoptik/Optometrie an der BHT. Möglich macht dies ein spezielles Programm, das Leistungssport und Studium miteinander vereint.

Luftaufnahme eines Achter-Ruderbootes im Wasser
Training: Der Deutschland-Achter pflügt durch das Wasser. Bild: Deutschland-Achter/Detlev Seyb

Mattes Schönherr muss weiter. An der Berliner Hochschule für Technik (BHT) studiert er im Bachelorstudiengang Augenoptik/Optometrie. Gerade kommt er aus dem Praktikum im Labor für Sehhilfen am Campus Kurfürstenstraße. Die zweite Trainingseinheit des Tages wartet auf den Spitzensportler. Am nächsten Tag wird der Ruderer in Dortmund mit dem Deutschland-Achter trainieren. Die Woche darauf fliegt Schönherr mit der Nationalmannschaft ins Trainingslager nach Portugal. „Mit Urlaub hat das nichts zu tun“, sagt er.

Pro Tag zwei Trainingseinheiten

Mattes Schönherrs Begeisterung für das Rudern erwachte im Alter von zwölf Jahren. Damals begann der Brandenburger, aufgewachsen in Hohen Neuendorf, für den Ruder-Club Potsdam zu rudern. Es folgte eine steile Karriere. Der 25-Jährige gilt als Titelsammler: 2017 holte er Junioren-WM-Gold, 2018 WM-Bronze im Achter. Im U23-Bereich wurde er im Achter Europameister und WM-Dritter. Bei den Olympischen Spielen 2024 belegte Schönherr im Achter den vierten Platz, zudem gewann er im selben Jahr Silber bei den Europameisterschaften.

Der Fokus auf den Sport führte dazu, dass Schönherr nach dem Abitur seinen Lebensmittelpunkt nach Dortmund verlegte, um am Bundesstützpunkt des Deutschen Ruderverbands trainieren zu können. Im Ruderleistungszentrum, gelegen am Dortmund-Ems-Kanal, hat der Deutschland-Achter der Herren seine Basis. Das gemeinsame Training sei wichtig, erklärt Schönherr. „Das Team muss wie ein Zahnrad ineinandergreifen.“ Pro Tag stehen zwei Trainingseinheiten auf dem Plan, darunter auch Kraft-, Ausdauer- und Techniktraining.

Rudern ist in Deutschland ein Nischensport. Es winken weder Ruhm noch Reichtum. Mattes Schönherr entschied sich daher für ein Studium im Bachelor Augenoptik/Optometrie. Er wählte die BHT, da sie ein Studienprogramm für Spitzensportler*innen anbietet. Er ist einer von gegenwärtig 20 Studierenden, die einen individuell zugeschnittenen Studienplan erhalten. „Anders wäre für mich ein Studium nicht möglich gewesen“, sagt Schönherr.

In der Praxis bleiben ihm nur schmale Zeitfenster, um sich mit den Studieninhalten zu beschäftigen. Für den Unterricht oder Laborpraktika am Campus reist er regelmäßig für zwei bis drei Tage nach Berlin. Sein Kalender richtet sich allerdings nach Trainings- und Wettkampfplan. „Mein Studium ist ziemlich zerstückelt“, sagt er. Schönherr ist daher Studiengangsleiter Prof. Dr. Holger Dietze dankbar, der ihn eng begleitet.

Olympia im Fokus

„Mir macht das Studium sehr viel Spaß“, sagt er. Er sei glücklich, sich für die BHT entschieden zu haben. Im Vergleich zu seinen Mitstudierenden komme er zwangsläufig langsamer voran. Der Kontakt zu den Kommilitonen sei weniger eng, dennoch fühle er sich gut eingebunden. Im Studiengang gehe es familiär zu. „Ich habe mich bewusst für den Sport entschieden, und die Herausforderungen gehören dazu.“

Gegenwärtig bereitet sich Mattes Schönherr auf die drei Weltcup-Rennen des Deutschland-Achters im Mai und Juni 2026 vor. Im August folgen die Europameisterschaften in Italien und die Weltmeisterschaften in den Niederlanden. Sein großes Ziel sind die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles, bei denen er seine sportliche Laufbahn mit einer Medaille krönen möchte

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