Julius Drost und Moritz Henneberg konnten sich die Disqualifikation nicht erklären. Die Studenten der Berliner Hochschule für Technik (BHT) hatten ihren Kurzfilm „Butty“ über einen tollpatschigen Haushaltsroboter bei zahlreichen Filmwettbewerben eingereicht und nur Absagen erhalten. Doch dieses Mal teilte ihnen ein bulgarisches Festival mit, dass der Film – ihre Abschlussarbeit an der BHT – bereits veröffentlicht sei und daher nicht zugelassen werde.
Kurz darauf entdeckten sie ein Bild ihres Roboters in einer Filmdatenbank. Der dazugehörige Film trug den Titel „T-130“, erstellt von einem gewissen Samuel Felinton. Es dauerte eine Weile, bis die Studenten begriffen, dass sie bestohlen worden waren. „Zuerst weiß man nicht, wie man darauf reagieren soll“, erinnert sich Julius Drost.
Hochstapler im Fernsehen
Und es wurde noch schlimmer: Felinton war für das Plagiat mit mehreren Preisen internationaler Filmfestivals ausgezeichnet worden. Ihm wurde die Anerkennung zuteil, die sich die echten Filmemacher erhofft hatten. Der Hochstapler scheute auch nicht die Öffentlichkeit. Der damals 19-Jährige trat in Talkshows auf und erzählte etwa, wie der Film angeblich entstanden sei. Er habe „Bild für Bild animiert und anschließend koloriert". Für Drost, der die Animationen in Wirklichkeit erstellt hatte, war dies grotesk. „Es hat mich wütend gemacht, weil er offensichtlich keine Ahnung hatte.“
Butty ist die Abschlussarbeit von Julius Drost und Moritz Henneberg im BHT-Bachelorstudiengang Screen Based Media. Während sich Drost um die Animationen kümmerte, war Henneberg für Drehbuch und Regie verantwortlich.
Zwei Jahre Arbeit stecken in dem Kurzfilm. Um den Abgabetermin einzuhalten, gaben die Studenten eine unfertige Fassung ab. Diese stellten sie wiederum kurzzeitig auf YouTube. Offenbar lud Felinton den Film damals dort herunter, schnitt Szenen heraus und unterlegte ihn mit Musik. Aus Butty wurde T-130.
Idee zu Dokumentarfilm
Aus dem Plagiatsfall entwickelte sich schließlich ein neues Projekt. Die Idee, daraus einen Dokumentarfilm zu machen, kam von ihrem BHT-Kommilitonen Nikita Fedosik. Er und Henneberg entwickelten Konzept und Drehbuch. Zusammen mit Drost wurde sie zum Kernteam der Dokumentation „Der talentierte Mr. F.“ Igor Plischke übernahm die Regie.
In der Doku sind die Filmemacher beispielsweise zu sehen, wie sie sich von Anwälten beraten lassen. Von ihnen bekommen sie zu hören, dass ein Rechtsstreit in den USA viele Monate dauern und Kosten in sechsstelliger Höhe verursachen würde.
Daher geht das Trio einen anderen Weg:
„Wir beschlossen, unser Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, in die USA zu fliegen und ihn mit seinem Diebstahl zu konfrontieren.“
Der Plan: sich als Reporter ausgeben und den Filmdieb in einem fingierten Interview überführen."
Konfrontation vor der Kamera
Die Falle schnappte zu. Der US-Amerikaner nahm die Anfrage an. Am ersten Drehtag in Morgantown im US-Bundesstaat West Virginia hielten sich Drost und Henneberg verborgen, während das Filmteam mit Samuel Felinton drehte. Am nächsten Tag kam es vor laufender Kamera zur Konfrontation. Felinton räumte den Diebstahl sofort ein. Später gestand er auch gegenüber den Filmfestivals, deren Preise er für „T-130“ gewonnen hatte.
Im Rückblick sagen die drei Filmemacher:
„Er ist mit dem gleichen Film viel weitergekommen als wir. Das Einzige, was er anders gemacht hat, ist, dass er ihn besser vermarktet und sich besser inszeniert hat."
Mit dem Plagiatsfall und dem Dokumentarfilm „Der talentierte Mr. F.“ haben die BHT-Absolventen inzwischen selbst Bekanntheit erlangt. Als Protagonisten und für die Idee des Dokumentarfilms Dokumentation erhielten sie im März 2026 einen Grimme-Preis – Spezialpreis in der Kategorie Kinder & Jugend.
„Der außergewöhnliche Umgang mit Verlust und Enttäuschung zeugt von einer bemerkenswerten Integrität und beweist, dass eine gewaltfreie Haltung wahre Stärke ist.“
— die Grimme-Preis-Jury über den Film „Der talentierte Mr. F.“
Alle drei haben ihr Screen-Based-Media-Studium an der BHT inzwischen abgeschlossen: Julius Drost ist als Animator tätig, während Moritz Henneberg und Nikita Fedosik weiterhin gemeinsam an Dokumentarfilmen arbeiten.
Der talentierte Mr. F., Dokumentarfilm 2025, zu sehen in der ARD Mediathek