KRIKO-BE

Krisenkommunikation und Governance in Berlin

Die Stromausfälle in Berlin Ende 2025 und Anfang 2026 haben gezeigt, wie schnell Krisenkommunikation an ihre Grenzen stoßen kann. Informationen kommen nicht überall an, werden digital und analog gespielt – aber nicht koordiniert, und Menschen mit Sprachbarrieren, geringen digitalen Kenntnissen oder prekären Lebenssituationen werden zu spät erreicht. Mit dem Projekt „KRIKO-BE“ setzt ein Verbund aus Forschenden aller vier Berliner Hochschulen für angewandte Wissenschaften bei diesen Problemen an. Ihre Lösungen sollen vorhandene Kommunikationsstrukturen berücksichtigen, für künftige Krisen vorbereiten und im Ernstfall greifen. Ziel ist, eine verlässliche Kommunikation zwischen Verwaltung, Einsatzkräften, Kritischen Infrastrukturen, sozialen Einrichtungen und den Bürger*innen sicherzustellen. Denn wie technische und soziale Strategien in der Krisenkommunikation zusammenwirken, ist bislang kaum erforscht. Auch das will das Forschungsteam ändern.

Zunächst untersuchen die Forschenden, was in vorherigen Krisen gut funktioniert hat und was nicht. Sie befragen Behörden, soziale Einrichtungen und Bürger*innen in partizipativen Formaten und Reallaboren. Auch Erfahrungen aus spontaner Nothilfe und zivilgesellschaftlicher Krisenbearbeitung fließen in die Analyse ein. Die gesammelten Erkenntnisse bilden eine Kommunikations-Heatmap. Sie zeigt, wo Informationslücken und Kommunikationsbrüche sind, welche Kanäle vor Ort relevant und welche Gruppen besonders schwer erreichbar sind. Mitarbeitende der Bezirksämter, Feuerwehr und sozialer Einrichtungen sowie zivilgesellschaftliche Akteure sind von Anfang an in die Projektarbeit eingebunden. Sie ermöglichen, die Lösungen unter realen Bedingungen zu testen und sichern die Anbindung an Governance-Strukturen und den Zugang zu vulnerablen Gruppen.

So entstehen Bausteine für die Vorbereitung und den akuten Krisenfall:

  • Spielbasierte, modulare Bildungsformate für Schulen und Kieze, die auf Stromausfälle und vergleichbare Ereignisse vorbereiten und Kompetenzen in Informationsbeschaffung, Nachbarschaftshilfe und koordiniertem Handeln vermitteln
  • VR-gestütztes Kommunikationstraining, mit dem Einsatzkräfte, Fachkräfte der Sozialen Arbeit und Verwaltungsmitarbeitende Krisensituationen realitätsnah üben können – etwa Evakuierungen, Massenanfragen oder Deeskalationsgespräche
  • Ein mehrsprachiger KI-gestützter Kommunikationskanal, der als erste Anlaufstelle per Telefon erreichbar ist. Er verknüpft Sprachverarbeitung mit Echtzeit-Informationen und wird Open Source entwickelt, damit auch andere Städte und Gemeinden ihn nutzen können
  • Der Governance-Leitfaden „Berlin Framework for Crisis Management“, der Zuständigkeiten, Zusammenarbeit und rechtliche Anforderungen bündelt, sozialräumliche Ansätze integriert und als Entscheidungs- und Umsetzungsgrundlage für die Krisenkommunikation dient

Um die Bausteine zu erproben, nutzen sie den VR-Truck der BHT und das SIRIOS-Lab des Fraunhofer-Instituts für offene Kommunikationssysteme FOKUS, das Simulationsumgebungen für bürgernahe Krisenkommunikation bietet. Das Unternehmen VR4Content entwickelt die Szenarien für das VR-gestützte Training.

Laufzeit

01.2026 - 12.2027

Projektpartner

  • Alice Salomon Hochschule (ASH) Berlin
  • Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin
  • Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin
  • Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS
  • vr4content GbR
  • Berliner Feuerwehr
  • Bezirksamt Treptow-Köpenick
  • Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf
  • Senatsverwaltung für Inneres und Sport
  • Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin e. V.

Mittelgeber

Land Berlin – Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege / Institut für angewandte Forschung Berlin e. V.

Projektkoordination

Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin