Architekturfotografie von Jean Molitor

Der Berliner Fotograf Jean Molitor ist zu Gast an der BHT. Interessierte sind herzlich eingeladen, den Architekturfotografen auf seiner Spurensuche nach der architektonischen Moderne von Berlin nach Ankara zu begleiten. Die Ausstellung ist bis Ende Dezember im Foyer Haus Grashof zu sehen.

Empfangsgebäude des Bahnhofs in Ankara
Empfangsgebäude des Bahnhofs in AnkaraBild: Jean Molitor

Die Ausstellung mit dem Titel „Die Moderne in Berlin, Ankara und der Welt“ zeigt in Fotografien von Jean Molitor nicht nur das bauliche Erbe der beiden Hauptstädte, sondern auch kulturelle Verbindungen auf, die von der Türkei bis nach Deutschland, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Norwegen, Österreich, Polen, Rumänien, Schweden, Spanien, in die Schweiz oder nach Tschechien reichen.

Die große „Patchworkfamilie“ von Häusern und Architekt*innen der Moderne verdeutlicht, dass der Gedanke einer globalen Welt bereits in den 1920er Jahren präsent war und dass sich von damals bis heute architektonische Stile auch über Ländergrenzen hinweg beeinflussen. So wie die Architektur der Moderne ein internationales Phänomen ist, so ist die Fotografie ein Grenzen überschreitendes Medium. Die Sprache der Bilder ist ohne Übersetzer zu verstehen, sie erklärt sich überall auf der Erde.

Die Bildsprache von Jean Molitor positioniert sich mittlerweile als ein festes Markenzeichen. Die Konzentration auf den Baukörper oder die gesamte Fassade und nicht, wie oft in der Architekturfotografie, auf vergleichsweise leicht abzubildende Details, führt zu einer Vergleichbarkeit der Bauten, die sonst kaum zu leisten ist.

Ästhetische Verwandtschaften zwischen modernen Bauten wie dem Bahnhof in Ankara von Sekip Akalin und der Londoner Wohnanlage von Ernst Ludwig Freud werden so für den Betrachter deutlich. Der zylindrische Bau des Refik-Saydam-Hygieneinstitutes in Ankara findet bildhafte Parallelen in Norwegen, bei Wohnhäusern von Thilo Schoder oder in Ankara, beim Gar Gazinosu von Şekip Akalın oder dem Opernhaus von Paul Bonatz.

Der künstlerische Ansatz von Jean Molitor lenkt den Blick direkt auf die Architektur. Er stellt sie von temporären und störenden Elementen frei. Damit erreichen seine Werke eine Klarheit, welche die facettenreiche moderne Architektur rund um die Welt widerspiegelt. Nicht allein das Bauhaus, auch parallele und zeitlich folgende Architekturströmungen, wie die Nachkriegsmoderne und Bauten der 1970er bis 1980er Jahren finden hier ihren Platz.

Die Ausstellung ist in der Luxemburger Straße 10 während der Öffnungszeiten des Hauses Grashof zu sehen, montags bis freitags von 06.30 Uhr bis 22:00 Uhr. Bei Eintritt gelten die 3 G-Regeln.

Die Bauten und ihre Architekt*innen

Die Türkei war Emigrationsziel vieler deutscher und österreichischer Architekt*innen, darunter Bruno Taut, Clemens Holzmeister, Ernst Arnold Egli, Margarete Schütte-Lihotzky und Robert Vorhoelzer. Dort nahmen sie Einfluss auf das neue Bauen, sie prägten Istanbul und vor allem die neue Hauptstadt Ankara. Bereits 1927 bekam der österreichische Architekt Clemens Holzmeister den Auftrag zum Bau des türkischen Kriegsministeriums in Ankara.

Zahlreiche weitere Bauten in Ankara folgten, darunter die Emlak-Kredit-Bank und die Türkische Zentralbank, die in der Ausstellung zu sehen sind. Er emigrierte 1938 in die Türkei und lehrte, mit Unterbrechungen bis 1949 an der Technischen Hochschule in Istanbul. 1963 wurde ihm dort die Ehrendoktorwürde verliehen.

Die internationalen Architekten der Moderne trafen auf türkische Architekten der Moderne, und inspirierten sich gegenseitig. Zu den ersten gehören die Seyfi Arkan und Şekip Akalın. Der aus Istanbul stammende Architekt Abdurrahman Seyfettin Arkan war der persönliche Architekt von Kemal Atatürk. Er hatte von 1932 bis 1935 bei Hans Poelzig in Berlin gearbeitet und dort die Architektur der Moderne in Deutschland kennengelernt. Bereits mit 25 Jahren entwarf er den Hauptbahnhof von Ankara im Stil des Art Déco, bis heute ein Meisterwerk. Möglicherweise studierte er sogar für einige Zeit direkt am Bauhaus. Zu diesem speziellen Thema forscht Jean Molitor. 1937 folgte das Gar Gazinosu, ein Kulturhaus in Ankara. Zur nachfolgenden Generation, die in 1960er/70er Jahren Bauten realisierte, zählen in Berlin Egon Eiermann oder Hermann Henselmann sowie in Ankara der türkische Architekt Ayhan Böke.

Zurück

Weitere Meldungen

Magazin-Spezialausgabe

Das Campus-Magazin erscheint in diesem Wintersemester als Doppel-Spezialausgabe. Darin stellen wir… mehr…

50 Jahre HAW - #50fuerBerlin

Mit der Kampagne „50 Jahre – 50 Köpfe“ feiern die Berliner Hochschulen für Angewandte Wissenschaften… mehr…

Ergänzungsfortbildung „ArchitekturPlus“

Berlin baut auf Kooperationen: Mit dem Onboarding-Modell „ArchitekturPlus“ können sich… mehr…