Kleiner Deckel, großer Frust?

Seitdem Deckel an Einweg-Kunststoffflaschen befestigt sein müssen, sind viele Menschen davon genervt. Verpackungsprofi und Content Creator Prof. Sebastian Klaus, Fachbereich V, hat auf seinem YouTube-Kanal nach den Gründen gefragt.

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Plötzlich war eine Kleinigkeit anders: Seit Juli 2024 müssen Deckel an Einweg-Kunststoffflaschen fest verbunden sein. Die EU-Regelung sorgte teilweise zu erhitzen Gemütern. Selbst ein Jahr später empfinden 63 Prozent der Befragten einer Studie des Nürnberger Instituts für Marktentscheidungen (NIM) zufolge die Deckel als unpraktisch.

Unmut zeigt auf größere Fragen

Prof. Sebastian Klaus, Fachgebiet Verpackungstechnik am Fachbereich V, überrascht dies nicht. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, der im Alltag keine Änderungen haben möchte“, sagt der Professor, der sich auch auf seinem YouTube-Kanal „VerpackungsProf“ mit dem Thema befasste.

Rückmeldungen seiner Community verarbeitete er in seinem Video „Kleiner Deckel, großer Frust?“. Sein Fazit:

„Der Deckel ist ein emotionales Symbol für größere Fragen.“

Mit dem Verbot wollte die EU dazu beitragen, dass weniger Kunststoffmüll die Umwelt verschmutzt. Drei Jahre bevor das Verbot in Kraft trat, preschte Coca-Cola vor und brachte seine Produkte mit den sogenannten Tethered Caps auf den Markt. „Die Menschen haben die Änderung sehr schlecht aufgenommen“, sagt Klaus.

Als das Verbot schließlich für alle Einweg-Kunststoffflaschen galt, sei der Unmut eskaliert. Der Verpackungsprofi sieht dafür mehrere Gründe:

  • Gewohnheit: „Wenn gewohnte Verpackungen auf einmal anders funktionieren und es deswegen Probleme gibt, führt dies zu Frust.“ Zu Beginn der Einführung sei die Handhabung noch ungewohnt gewesen. Der Verschluss verkantete häufig– und der Inhalt lief aus.
  • Unverständnis: Bei Umweltschutz und Recycling sei Deutschland sehr gut aufgestellt, sagt Sebastian Klaus. Für die Menschen sei nicht nachvollziehbar gewesen, warum sie ihren Alltag ändern müssen. Außerdem habe es Zweifel gegeben, ob das Verbot sinnvoll sei, in dem Sinne: „Wer Müll in die Umwelt wirft, wird dies weiterhin tun.“
  • Widersprüche: Während bei Einweg-Kunststoffflaschen das EU-Verbot gilt, ist dies bei Mehrwegflaschen nicht der Fall, ebenso wenig bei Einwegflaschen mit Metalldeckeln. Zudem lautete die Empfehlung jahrelang, den Deckel bei Getränkekartons für das Recycling abzuschrauben.
  • EU-Skepsis: „Wenn es aus Brüssel kommt, kann es nichts Gutes sein“, schildert der Professor die Stimmung vieler Rückmeldungen. Es gebe das Gefühl, von Brüssel drangsaliert zu werden. Der Verschluss sei zum Ventil für Politikverdrossenheit geworden.

Innovation durch neue Vorgabe

Für den Verpackungsexperten ist der neue Deckel auch aus technischer Perspektive interessant. Das EU-Verbot habe einen Innovationsschub ausgelöst. „Die Unternehmen nutzten die Chance, das ganze Konzept zu optimieren“, sagt der Professor.

Mehrweg-Glasflaschen besitzen ein standardisiertes Gewinde, das seit Jahrzehnten etabliert ist. Dies lässt sich nicht einfach ändern, bei Einwegplastikflaschen war es hingegen möglich. Die Folge: Der Verschluss ist nun flacher, kleiner und benötigt weniger Kunststoff.

Neue Deckel sind jetzt Teil des Alltags

„Die Intensität der Kritik hat sich abgeschwächt“, stellt Sebastian Klaus fest. Die Tethered Caps seien zu einem Teil des Alltags geworden. Jedoch könnten die Emotionen jederzeit wieder hochkochen, beispielsweise, wenn eine neue Studie zum Thema veröffentlicht werde.

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