Im Studiengang Augenoptik/Optometrie an der Berliner Hochschule für Technik (BHT) spielt der Praxisanteil von Beginn an eine zentrale Rolle. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist das Seh-Screening von Kindergartenkindern im Landkreis Gifhorn in Niedersachsen, an dem Master-Studierende im Wintersemester 2025/26 aktiv beteiligt waren.
Mitte Februar reisten 16 Studierende nach Niedersachsen, um vor Ort über mehrere Tage hinweg die Sehschärfe und den Brechungsfehler von hunderten Kindern zu bestimmen. Durchgeführt wird die Aktion seit 2017 vom Verein zur Förderung der Wahrnehmung bei Kindern e.V. (VFWK), unterstützt von regionalen Initiativen und Förderern.
Beruf mit Verantwortung
Die Screening-Kriterien orientieren sich eng an augenärztlichen Leitlinien. Mehr als 10 Prozent der untersuchten Kinder zeigen Auffälligkeiten, bei denen eine Abklärung durch eine*n Augenärzt*in empfohlen wird. Für die Studierenden wird hier besonders deutlich, welche gesellschaftliche Verantwortung ihr späterer Beruf mit sich bringt: Unentdeckte Fehlsichtigkeit oder Schielen können unerkannt oder unbehandelt zu einer dauerhaften Schwachsichtigkeit (Amblyopie) führen.
Unter den auffälligen Kindern sind auch solche, bei denen Kinderärzt*innen bei der regulären U-Untersuchung keine Abweichungen entdecken konnten. Das frühzeitige Erkennen solcher Risiken ist daher nicht nur fachlich anspruchsvoll, sondern auch von hoher präventiver Bedeutung.
Die rund 20-minütige Untersuchung ist in mehrere Stationen gegliedert. Die Studierenden übernehmen dabei eigenständig Messungen, dokumentieren Ergebnisse und begleiten die Kinder durch den gesamten Ablauf. Sobald sich die Teams eingespielt haben, können bis zu 120 Kinder pro Tag untersucht werden – eine logistische und fachliche Herausforderung, die Organisationstalent, Teamarbeit und klinische Kompetenz gleichermaßen erfordert.
Klinische Praktika machen den Unterschied
Einsätze wie dieser sind Teil der sogenannten klinischen Praktika im Studiengang Augenoptik/Optometrie. Dort bestimmen die Studierenden regelmäßig Sehleistung und Brechungsfehler von externen Proband*innen, prüfen die Augengesundheit und passen verschiedene Sehhilfen an.
Die intensive Arbeit am Menschen ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal des Studiums an der BHT: Sie lässt sich weder durch gegenseitiges Üben an gesunden Augen der Kommiliton*innen ersetzen, noch werden sie an anderen Bildungseinrichtungen für Augenoptiker*innen und Optometrist*innen in vergleichbarem Umfang angeboten.
Das Studium zielt auf praktische Handlungskompetenz: Die BHT-Studierenden übernehmen Verantwortung im realen Versorgungskontext und sammeln Erfahrungen, die sie auf ihre spätere Tätigkeit als Optometrist*innen optimal vorbereiten.