Riskante Fahrmanöver, gefährliche Situationen, Verkehrschaos: Seit Jahren ist die Verkehrssituation vor der Mahlsdorfer Grundschule in Berlin angespannt. Vor allem in den Morgenstunden bringen Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, wobei die Zustände an der schmalen Zugangsstraße nach Ansicht einer Elterninitiative überhandgenommen haben.
Seit Februar 2026 sperren deswegen Freiwillige den Autoverkehr direkt vor der Schule zwischen 7 und 8:30 Uhr, um den Schulweg für die 500 Schülerinnen und Schüler der Einrichtung sicherer zu machen. Eltern, die weiterhin mit dem Auto fahren, sollen ihren Nachwuchs in der nahen Umgebung absetzen, um dann die letzten Meter zu Fuß zur Schule zu gehen.
Teufelskreislauf entsteht
Dass das sechsmonatige Schulstraßen-Projekt von den Behörden genehmigt wurde, hing am Engagement der Elterninitiative. Aber auch zwei Studierende der Berliner Hochschule für Technik (BHT) im Studiengang Bauingenieurwesen trugen dazu bei.
In ihren Bachelorarbeiten untersuchten Ali Mert Cavus und Friederike Sabine Kliewe im Wintersemester 2024/2025 den Elterntaxi-Verkehr sowie die Schulwegsicherheit in Mahlsdorf. Ihre Ergebnisse präsentierten sie anschließend der Bezirksbürgermeisterin. „Die wissenschaftlichen Untersuchungen haben die Argumentation der Elterninitiative gestärkt“, sagt Prof. Dr. Jochen Lohmiller, Professor für Verkehrswesen am Fachbereich III – Bauingenieur- und Geoinformationswesen, der beide Arbeiten betreute.
Die Arbeiten zeigen ein klares Bild der damaligen Verkehrssituation: Demnach sind die Gehwege häufig schmal oder fehlen ganz, teilweise gibt es nur Grünstreifen. Verstärkt wird die Problematik, wenn Autos trotz absoluten Verbots halten. Gefährliche Situationen ergeben sich durch öffnende Autotüren, unübersichtliche Einbahnstraßen und Sichtbehinderungen. Hinzu kommen Konflikte zwischen Autos und Kindern auf Fahrrädern und viel Verkehr vor Unterrichtsbeginn.
Die wissenschaftliche Analyse offenbart einen Teufelskreislauf: Die unsichere Situation vor Ort führt zu mehr Elterntaxis, die wiederum den Pkw-Verkehr erhöhen und die Unsicherheit verstärken.
Praxisnah und relevant
Von der temporären Schulstraße im Osten Berlins erhofft sich die Elterninitiative einen deutlichen Rückgang des Pkw-Verkehrs und damit mehr Verkehrssicherheit, weniger Lärm und mehr selbstständige Mobilität von Kindern. Ob und in welchem Umfang dies eintritt, untersucht eine weitere Bachelorarbeit im Studiengang Bauingenieurwesen, mit der die Maßnahme evaluiert werden soll. „Diese Arbeiten zeigen einmal mehr: An der BHT befassen wir uns mit praxisnahen Themen mit gesellschaftlicher Relevanz“, betont Prof. Dr. Lohmiller.
Bachelorarbeit von Ali Mert Cavus:
„Analyse und Bewertung der Schulwegsicherheit an einer Grundschule in Berlin – Entwicklung eines Maßnahmenkatalogs zur Gefahrenabsenkung“, November 2024 bis Januar 2025
Bachelorarbeit von Friederike Sabine Kliewe:
„Reduzierung des Elterntaxi-Verkehrs an einer Grundschule in Berlin: Entwicklung und Evaluation von Maßnahmen zur Förderung des aktiven Schulwegs“, Dezember 2024 bis Februar 2025