Reallabor für die Schwammstadt
Der Standort für die von Teichmann für seine Forschungen genutzte Versuchsanlage ist nicht zufällig gewählt. Im Osten des ehemaligen Flughafens Tegel entsteht das Schumacher-Quartier, ein klimaresilient konzipiertes Wohnareal. Die Forschungsergebnisse von Teichmanns Untersuchungen sollen dazu beitragen, Verdunstungsbeete eines Tages in dem Quartier in großem Maßstab umzusetzen. In Vorbereitung auf den Bau des Wohnareals wurde entschieden, eine Versuchsanlage in unmittelbarer Nähe zu errichten. Insgesamt entstanden sechs Beete in den Abmessungen, wie sie später im Schumacher-Quartier vorgesehen sind.
In der Anlage untersucht Teichmann zwei Bewässerungsszenarien. Vier Beete sind für ein trockenes Szenario vorgesehen und zwei für ein feuchtes. Bei der Bewässerung im feuchten Szenario orientiert sich das Projektteam an den zwischen 1991 und 2020 vom Deutschen Wetterdienst vor Ort erfassten Niederschlags- und Verdunstungsdaten. Um diese klimatischen Verhältnisse in den Beeten zu erreichen, werden sie in Abhängigkeit des aktuellen Wettergeschehens bei Bedarf künstlich bewässert.
Vom Berliner Quartier zur Blaupause
Für die Datenerfassung wurde ein umfangreiches Monitoring-System installiert. Pegelrohre mit Drucksensoren erfassen die Wasserstände, Sensoren messen die Bodenfeuchte, Wasserzähler erfassen den Zufluss und Kippwaagen den Überlauf. So lassen sich die hydrologischen Prozesse präzise nachvollziehen. Auf Grundlage dieser Messungen lässt sich der Wasserhaushalt der Beete bilanzieren. Besonders interessiert sich das Forschungsteam für die Verdunstung. Dazu zählen Oberflächenverdunstung, Transpiration durch die Pflanzen und Verdunstung von Niederschlag auf Blattflächen.
Die Ergebnisse, die in der 2025 eröffneten Versuchsanlage gewonnen werden, sollen zukünftig im Schumacher-Quartier in die Praxis überführt werden. Dort ist vorgesehen, das Regenwasser dezentral und ohne Anschluss an die Kanalisation zu bewirtschaften. Die Verdunstungsbeete sollen dazu beitragen, dieses ambitionierte Ziel zu erreichen. In der Versuchsanlage wird hierzu ein Flächenanschlussverhältnis von vier zu eins getestet. Das heißt, vier Einheiten Dach- oder Verkehrsfläche entwässern auf eine Einheit Verdunstungsbeet. Auf diese Weise werden die geplanten Bedingungen im Schumacher-Quartier möglichst realitätsnah nachgebildet.
Abkühlung und optische Aufwertung
Auch gestalterisch bieten Verdunstungsbeete Potenzial: Mit Blühpflanzen und Sitzgelegenheiten können sie die Aufenthaltsqualität im Freien erhöhen und die Akzeptanz in der Bevölkerung fördern. „Ein Aspekt des Forschungsthemas an der TU ist die Ästhetik der Beete“, erklärt Teichmann. „Die Akzeptanz in der Bevölkerung entsteht nicht nur durch Kühlung und Wasserspeicherung, sondern auch durch die optische Aufwertung der Quartiere. Ich denke, dass Verdunstungsbeete positiv in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.“
Noch ist die Idee auf dem ehemaligen Flughafengelände geplante Schumacher-Quartier nicht realisiert. Ab 2028 sollen den Planungen zufolge die ersten Bewohner*innen ihr neues Zuhause im Nordwesten Berlins beziehen. Möglicherweise werden dort dann auch Verdunstungsbeete zu finden sein, die den Menschen an heißen Tagen Abkühlung bieten und für ein grünes, attraktives Stadtviertel sorgen.
Verdunstungsbeet-Versuchsanlage
- Projektpartner: BHT, TU, Tegel Projekt GmbH (Tochtergesellschaft des Landes Berlin), Berliner Wasserbetriebe
- Projektfinanzierung: Tegel Projekt GmbH, Berliner Wasserbetriebe
- Projektleitung: Prof. Dr. Frank Schneider (BHT), Prof. Dr. Benny Selle (BHT), Prof. Dr. Heiko Sieker (TU), Prof. Dr. Norbert Kühn (TU)
- Doktorand*innen: Elisa Bieber (BHT), Robert Teichmann (BHT), Leonard Heß (TU)
- Doktorarbeit: Das Projekt FH-Personal der BHT finanziert die wissenschaftliche Begleitung von Robert Teichmanns Promotion zum Thema „Optimierung von Verdunstungsbeeten hinsichtlich der hydrologischen Funktionsweise – experimentelle Untersuchung“. Das vom Bundesministerium für Forschung geförderte Bund-Länder-Programm unterstützt die „Gewinnung und Entwicklung professoralen Personals an der BHT“.
Text: Manuel Wagner, Mitarbeiter im Referat Nachwuchsförderung und wissenschaftliche Zusammenarbeit (NWZ), Projekt FH-Personal