„Ringe der Macht“
Die Anspielung auf eine bekannte Fantasy-Reihe ist kein Zufall. „Ringe der Macht“ nennt Doktorandin Michelle A. Bölcke ihren Vortrag über Antibiotikaresistenzen. Damit trat sie bei „Science Pitches“ an der Berliner Hochschule für Technik (BHT) auf, die das Referat für Nachwuchsförderung und wissenschaftliche Zusammenarbeit (NWZ) organisiert.
Auch bei der Langen Nacht der Wissenschaften hielt sie den Vortrag. „Der Titel funktioniert gut, um Neugier für mein Forschungsthema zu wecken“, sagt die Wissenschaftlerin in ihrem Büro im WAL-Gebäude. Dort befindet sich auch das Labor für Mikrobiologie, in dem sie an ihrer Promotion arbeitet.
Antibiotikaresistenzen scheinen auf den ersten Blick ein Nischenthema zu sein. Tatsächlich handelt es sich um ein globales Problem, das alle Menschen betrifft – und zunimmt. Krankheitserreger können mutieren und unempfindlich gegenüber Antibiotika werden, die sie eigentlich abtöten sollen. Für schwerkranke Patienten kann dies lebensbedrohliche Folgen haben. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sterben in Deutschland jährlich bis zu 9700 Menschen infolge von Antibiotikaresistenzen.
Bakterien leben in Gemeinschaft
Das Problem ist eng verbunden mit einer verblüffenden Fähigkeit der Bakterien: Sie können genetische Informationen untereinander austauschen. Ein zentraler Mechanismus dafür ist die Konjugation, die nach Angaben der Doktorandin maßgeblich zur Verbreitung von Resistenzgenen beiträgt: Dabei verbinden sich die Mikroorganismen und übertragen eine Kopie eines sogenannten Plasmids – eines kleinen, meist ringförmigen DNA-Moleküls. Auf diese spielt die Doktorandin mit ihrem Vortragstitel „Ringe der Macht“ an. „Durch die Konjugation können Bakterien neue Eigenschaften erwerben, die ihnen einen evolutionären Überlebensvorteil verschaffen.“
Der Mechanismus ist auch deshalb so bedeutsam, weil viele Bakterien in Gemeinschaften leben: in sogenannten Biofilmen. Dabei produzieren die Mikroorganismen eine schleimartige Matrix, die wie eine Schutzschicht wirkt. Gleichzeitig erleichtert der enge Zellkontakt den Austausch genetischer Informationen.
Dieser Biofilm entsteht auf nahezu allen Oberflächen, darunter Wasserrohre, Zähne, Hautwunden und medizinische Geräte. Das Problem: Die Schutzschicht macht die Bakteriengemeinschaft deutlich widerstandsfähiger gegenüber Antibiotika als auch vor Desinfektions- und Reinigungsmitteln.