Hilfe auf einen Klick

BHT-Studierende haben eine Plattform entwickelt, auf der Menschen in Notlagen unkompliziert passende Hilfsangebote finden können. Als gemeinnütziger Verein entwickeln sie das Angebot nun unabhängig und spendenfinanziert weiter und kooperieren dabei mit etablierten sozialen Einrichtungen.

Vier Männer stehen locker auf einem Balkon mit Blick ins Grüne
Sie haben egenus entwickelt: Deniz Petzold, Ahmad Zanboua, Melvin Feiertag und Max Heinrich (v.l.n.r.) Bild: egenus

Ein Schlafplatz, eine Mahlzeit, medizinische Hilfe oder Beratung: Wer auf der Straße lebt oder in eine Notlage gerät, ist auf Unterstützung angewiesen. Informationen zu Anlaufstellen zu finden, gestaltet sich sind oft schwierig. Für Menschen ohne Internet-Zugang, Smartphone oder Deutsch-Kenntnisse ist dies besonders problematisch.

An dieser Hürde setzt die Website egenus.app an. Auf der von Studierenden der Berliner Hochschule für Technik (BHT) entwickelten Plattform lassen sich bundesweit Hilfsangebote recherchieren. Das kostenlose Angebot ist barrierefrei, anonym und mehrsprachig. Es richtet sich an Menschen, die arm, krank, wohnungslos oder ohne soziales Umfeld sind.

Kooperation mit sozialen Einrichtungen

Gegründet wurde egenus von den BHT-Studenten Max Heinrich, Melvin Feiertag, Deniz Petzold und Ahmad Zanboua. Die Idee dahinter entstand 2024 in einem Semesterprojekt im Bachelorstudiengang Medieninformatik. „Unsere Ausgangsfrage lautete: Wie kommen Hilfsbedürftige möglichst niedrigschwellig an Hilfe?“, erinnert sich Petzold, der wie Heinrich nach dem Bachelor die Hochschule verlassen hat. Feiertag und Zanboua studieren Medieninformatik inzwischen im Master an der BHT.

Die vier Entwickler setzten damals bewusst auf eine Web-Anwendung, da ein Smartphone für hilfsbedürftige Menschen nicht selbstverständlich sei und der Download einer Anwendung eine weitere Hürde darstelle. Auf ihren ersten Prototypen erhielten sie positive Rückmeldungen, was sie bestärkte, das Projekt auch nach Ende des Semesterprojekt weiterzuentwickeln. Im September 2024 ging die Website online.

Die Plattform richtet sich nicht nur an Menschen in Not, sondern auch an soziale Einrichtungen wie beispielsweise Bahnhofsmissionen, Beratungsstellen, Notunterkünfte, Drogenhilfen oder Tafeln. Damit der Online-Dienst funktioniert, müssen die Einrichtungen schließlich ihre Hilfsangebote auf der Plattform vermerken. Ein wichtiger Schritt für das Projekt war deshalb der Beginn der Kooperation mit der Bahnhofsmission Freiburg – die erste Partnerschaft mit einer etablierten Einrichtung.

Plattform soll unabhäng und dauerhaft kostenlos sein

Nicht immer stoßen die Entwickler auf Offenheit. „Wir haben das Problem, dass die Leute misstrauisch sind, weil wir jung sind. Sie denken, wir wollten ihnen etwas verkaufen“, sagt Deniz Petzold. Dabei soll egenus die soziale Arbeit nicht ersetzen. Entsprechend sieht er die Rolle des Teams: „Wir sind keine Sozialarbeiter. Wir sind Softwareentwickler.“

Im vergangenen Jahr gründete das Team einen Verein, der inzwischen als gemeinnützig anerkannt ist. Er soll die Grundlage für eine unabhängige, spendenfinanzierte Plattform schaffen, die dauerhaft kostenlos bleibt. Nach Angaben des Teams sind zurzeit mehr als 400 soziale Einrichtungen auf der Plattform vertreten. In den vergangenen sechs Monaten wurde die Anwendung rund 12.000 Mal genutzt.

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