BHT-Studenten wollen Waldbrände stoppen

Leo Safia studiert Mechatronik an der Berliner Hochschule für Technik – und hat mit seinem Bruder Jack ein Start-up gegründet, um Waldbrände früher zu erkennen und zu bekämpfen. Dafür setzt er auf selbstgebaute Drohnen und ein eigens entwickeltes Vorhersage-Modell.

Zwei Screenshots von Kameraufnahmen einer Drohne. Das linke Bild zeigt eine Person und einen Grill, der in Flammen steht. Ein oranges Kästchen rahmt den brennenden Grill, beschrieben mit FIRE 74% [FIRE]. Das rechte Bild zeigt die Aufnahme einer Kamera, die unter der Drohne angebracht ist. Die Drohne fliegt in der Luft, und ein roter Ball ist im Flug zu sehen. Darunter steht der brennende Grill. Ein oranges Kästchen umrahmt das Feuer, beschrieben mit FIRE 84%. Unten im Bild ist zu lesen: FIRE DETECTED DROP BALL.
Im Hinterhof seines Wohnhauses testete Leo Safia, wie zuverlässig seine Drohnen Feuer entdecken (links) und es mit einem mit Feuerlöschpulver bestücktem Ball löschen können (links). Bild: Leo Safia / Averium Dynamics
Porträtfoto der Zwillingsbrüder Leo und Jack Safia
Das Gründungsteam von Averium Dynamics: Leo und Jack Safia. Bild: Leo Wisnieskski / SIBB

Sich fürs Klima und die Welt einzusetzen, das möchte Leo Safia seit Schulzeiten. Wie das ganz praktisch aussehen kann, wurde ihm im Mechatronik-Studium an der Berliner Hochschule für Technik (BHT) klar: Mit seinem Wissen rund um Drohnen und KI entwarf der 25-Jährige ein automatisiertes Waldbrandmanagement-System und fasste den Entschluss, ein Startup zu gründen. Der Startup-Hub der BHT begleitete ihn durch den gesamten Prozess, ein privater Investor finanzierte den Proof of Concept, und im Frühjahr 2026 gründete Safia gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Jack (studiert ebenfalls Mechatronik an der BHT) schließlich die Averium Dynamics UG, um die Idee in die Anwendung zu bringen.

Potenzielle Brandherde zuverlässig erkennen

Das Waldbrandmanagement-System der Safias steht auf drei Säulen: Ein Frühwarnsystem, ein Drohnen-Duo, das im Brandfall direkt eingreifen kann, und langfristig angelegte Präventionsmaßnahmen. Das Frühwarnsystem entwickelten die Brüder selbst. Bei den Trainingsdaten konzentrierten sie sich zunächst auf Spanien und fütterten ihr Vorhersagemodell mit frei verfügbaren Informationen: historischen Daten zu regionalen Waldbränden, Satellitenbildern, die Wärmestrahlung aufzeigen, Wetterdaten wie Windstärke und -richtung, Luftfeuchtigkeit und Temperatur, und Umgebungsdaten wie die Entfernung zur nächsten Feuerwache oder die Bevölkerungsdichte eines Ortes. Die meisten Waldbrände werden von Menschen verursacht. Leben also besonders viele Menschen in der Nähe eines brandgefährdeten Gebiets, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ein Feuer ausbricht.

Anschließend testeten sie ihr Vorhersagemodell. Sie klammerten Jahre und Regionen aus den Trainingsdaten aus und ließen entsprechende Vorhersagen erstellen. Das Ergebnis: In beiden Fällen stimmte die Vorhersage zu 80 bis 85 Prozent mit der Realität überein. Im direkten Vergleich mit den Vorhersage-Tools des europäischen Waldbrandinformationssystem EFFIS schnitt das Programm der Safia-Brüder sogar besser ab.

Feuer löschen – und verhindern

Schlägt das Frühwarnsystem an, soll der zweite Baustein ihres Waldbrandmanagement-Systems greifen und zwei Drohnen losschicken. Eine spürt den Brandherd auf, die andere löscht ihn. Dafür ist sie mit einem Ball bestückt, in dem sich ein feuerlöschendes Pulver befindet. An diesem Baustein arbeiten die Brüder gerade. Bisher hat Safia mit kleinen Drohnen und Bällen experimentiert. Nun entwickelt er ein größeres Modell und einen Schwarm von Feuerlöschdrohnen, die er unter realen Bedingungen testen will. Dafür sucht er den Kontakt zu spanischen, französischen und italienischen Behörden. Eine Drohne, die um besonders gefährdete Gebiete herum einen biologisch abbaubaren Brandschutzschaum ausbringt, soll das Waldbrandmanagement-System komplettieren. Auch diese Idee möchte Safia zügig realisieren. Dafür erhielt er kürzlich Mittel aus dem SIBB Inkubator, Teil des Berliner Startup Stipendiums und durch die EU und die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe gefördert.

„Als Gen-Z-Person bin ich mit der Realität des Klimawandels aufgewachsen. In der Schule haben wir darüber gesprochen, dass etwa die Eisbären ihr Zuhause verlieren. Das hat mich tief berührt und mich dazu bewegt, etwas zu tun“, erzählt er. Hinzukommt, dass er seine Familie beschützen will. „Ich bin in einer syrischen Stadt aufgewachsen, die zunehmend von Bränden bedroht ist – und der Zugang zu Gegenmaßnahmen ist nicht so gut wie etwa in Europa.“ Deshalb arbeiten die Brüder daran, ihre Lösung auch den entsprechenden Stellen in Syrien zur Verfügung zu stellen.

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