Eine Klimaanlage wächst in den Himmel

Die Methode ist uralt: Windtürme kühlen die Innenluft allein über ihre ausgeklügelte Bauweise. Architektur-Studierende haben das Konzept weiterentwickelt und wollen es wissenschaftlich untersuchen. Seit Juli errichten sie ihren neuen „Klimaturm“ neben dem zukünftigen BHT-Campus TXL in Tegel.

Computergenerierte Illustration eines hölzernen Turms
So soll der Klimaturm aussehen. Bild: Team Klimaturm BHT

Jedes Jahr, wenn der Hochsommer Berlin fest im Griff hat und die Menschen unter der Hitze ächzen, wünscht man sich oft nur eines: einen kühlen Rückzugsort. Einen solchen Raum entwickelten Studierende im Masterstudiengang Architektur der Berliner Hochschule für Technik (BHT) im Sommersemester 2026. Ihr „Klimaturm“ verspricht angenehme Temperaturen im Inneren. Die Kühlung ergibt sich allein aus der Konstruktion des Bauwerks und der dadurch entstehenden Luftzirkulation. Die Grundidee geht auf die traditionellen Windtürme im vorderasiatischen Kulturraum zurück, die dort seit Jahrhunderten für natürliche Lüftung und passive Kühlung sorgen. 

Im Juli haben die Studierenden begonnen, den Turm auf dem Gelände der Urban Tech Republic neben dem zukünftigen BHT-Campus TXL zu errichten. Unterstützt werden sie dabei von Fachfirmen. Die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2027 geplant. Dann soll in Tegel die Kühlleistung des sieben Meter hohen Experimentalbaus zwei Jahre lang wissenschaftlich untersucht werden.

Nachhaltige Baumaterialien

Die 35 Masterstudierenden entwarfen den neuen Turm im Kurs „Gebäudetypologie und Konstruktion“ unter der Leitung von Dozentin Heike Dertmann. Sie setzten dabei ausschließlich auf nachhaltige Baumaterialien. Für die Konstruktion kommt Holz zum Einsatz, die Fassade besteht aus wiederverwendeten Holzpaneelen. Im Inneren werden Lehmsteine verbaut, die das Start-up Earthbound liefert. Dabei handelt es sich um gepresste und luftgetrocknete Ziegel aus Lehm, der aus Baugrubenaushub in Berlin stammt.

„Die Steine werden so geschichtet, dass die Luft ideal zirkulieren kann“, sagt Heike Dertmann. Außerdem nehme der Lehm die Luftfeuchtigkeit auf, sodass die Durchströmung einen besonders kühlenden Effekt erzeuge. Der gesamte Turm ist so konzipiert, dass er vollständig zurückgebaut und die Materialien wiederverwendet werden können.

Der Klimaturm ist der Nachfolger des Windturms 2.0, der ebenfalls von BHT-Studierenden entwickelt worden war. Der neue Entwurf ging aus einem studentischen Architekturwettbewerb hervor, der von Heike Dertmann in Abstimmung mit Prof. Ayse Hicsasmaz-Heitele und Prof. Dr. Felix Wellnitz am Fachbereich IV – Architektur und Gebäudetechnik betreut wurde. Im aktuellen Entwurf kombinierten die Studierenden die klimatischen Vorteile der drei Siegerkonzepte.

Studentische Teams

Im Sommersemester 2026 gingen die Studierenden dabei wie ein echtes Planungsteam vor, dessen Mitglieder sich auf einzelne Aufgabenbereiche konzentrierten. So gab es laut der Dozentin neben einer Leitungsgruppe beispielsweise Teams, die für die verschiedenen Baumaterialien zuständig waren. Eine weitere Gruppe hatte den Auftrag, eine Baugenehmigung für den Klimaturm zu beantragen. Um den Bauantrag überhaupt stellen zu können, wurden die Studierenden vom Ingenieurbüro Lindner-Spindler unterstützt, das die Statik erstellt hat.

Der Klimaturm, der gegenwärtig in Tegel entsteht, wird durch das Förderprogramm Innovationsfonds Zukunft findet Stadt finanziell unterstützt. Im laufenden Wintersemester will das Planungsteam die weitere Finanzierung des Projekts klären.

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