Bauwerke werden künftig viel stärker als durchgängige digitale Informationssysteme betrachtet

Prof. Dr. Sebastian Pepper ist Professor für Baumanagement und Baubetrieb an der BHT und Dozent der Weiterbildung „BIM: Building Information Modeling mit Revit-Software“. Im Interview gibt er Einblicke in die Schnittstellen von Building Information Modeling (BIM) und Künstlicher Intelligenz (KI) und spricht über die Kompetenzen, die für die digitale Zukunft des Bauwesens wichtig werden.

Bild: Masque/AdobeStock

Prof. Dr. Sebastian Pepper ist Prodekan des Fachbereichs III – Bauingenieur- und Geoinformationswesen an der Berliner Hochschule für Technik (BHT) und Professor für Baumanagement und Baubetrieb. Zu seinen Schwerpunkten gehören Building Information Modeling (BIM), Projektmanagement und die Digitalisierung des Bauwesens. Zudem war er an der Konzeption von BIM-Arbeitsplätzen für eine VR-Lernumgebung im Bauingenieurwesen beteiligt und wurde 2025 mit dem Lehrpreis der BHT ausgezeichnet. Als Dozent der Weiterbildung „BIM: Building Information Modeling mit Revit-Software“ spricht Professor Pepper im Interview über die Zukunft des Bauwesens im Hinblick auf die Digitalisierung.
 

Herr Professor Pepper, aktuell richtet sich viel Aufmerksamkeit auf Künstliche Intelligenz. Wo sehen Sie sinnvolle Schnittstellen zwischen BIM und KI?

Zuerst stellt sich für mich die Frage: Was verstehen wir eigentlich unter KI? Vieles, was heute als KI bezeichnet wird, sind klassische Algorithmen, regelbasierte Prüfungen oder Automatisierungen.

Spannend wird es dort, wo Systeme Muster in großen Datenmengen erkennen, Zusammenhänge ableiten oder neue Lösungsvorschläge erzeugen. In Verbindung mit BIM sehe ich Potenzial vor allem bei der Analyse von Projekt- und Modelldaten, bei Variantenentscheidungen und beim Zugriff auf Informationen über natürliche Sprache.

Entscheidend bleibt aber die Datenqualität. BIM kann hier die strukturierte Grundlage liefern, auf der KI sinnvoll aufsetzen kann.

Welche Kompetenzen werden Bauingenieurinnen und Bauingenieure künftig benötigen, wenn digitale Methoden, BIM, 3D-Modelle und KI stärker in den Berufsalltag einziehen?

Die klassischen ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen bleiben zentral. Gleichzeitig werden Datenkompetenz, Prozessverständnis und der sichere Umgang mit digitalen Modellen wichtiger.

Auch KI-Kompetenz wird dazugehören. Dabei wird es nicht unbedingt darum gehen selbst zu programmieren, sondern sinnvolle Aufgaben zu formulieren, Ergebnisse kritisch zu prüfen und Grenzen der Systeme zu erkennen. Da Projekte immer stärker vernetzt werden, gewinnen auch Kommunikation und interdisziplinäre Zusammenarbeit weiter an Bedeutung.

Wenn Sie zehn Jahre in die Zukunft blicken könnten: Was wird sich beim Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden durch die Digitalisierung am stärksten verändert haben? Und welche Rolle können Hochschulen bzw. Weiterbildungsanbieter dabei spielen?

Ich glaube, dass wir Bauwerke künftig viel stärker als durchgängige digitale Informationssysteme betrachten werden. Daten werden über Planung, Bau und Betrieb hinweg weitergenutzt, und viele Routinetätigkeiten werden automatisiert.

Die Rolle der Ingenieurinnen und Ingenieure verschiebt sich dadurch stärker in Richtung Bewertung, Steuerung und Qualitätssicherung.

Hochschulen und Weiterbildungsanbieter sollten deshalb digitale Methoden nicht nur als Zusatzfach vermitteln. BIM, Datenmanagement und KI sollten selbstverständlich in die klassischen ingenieurwissenschaftlichen Inhalte integriert werden – möglichst praxisnah und anhand realer Projekte.

 

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