Dipl.-Ing. (FH) Stefan Holstein ist freischaffender Architekt, CAD-Experte, BIM-Manager und Lehrbeauftragter im Fachbereich III der BHT (Bauingenieur- und Geoinformationswesen) sowie Dozent der Weiterbildung „BIM: Building Information Modeling mit Revit-Software“ am Fernstudieninstitut (FSI). Im Interview erklärt er, warum BIM für die Baubranche zunehmend an Bedeutung gewinnt, welche Verbindung von Theorie und Praxis den Kurs auszeichnet und welche beruflichen Perspektiven sich durch BIM-Kenntnisse eröffnen.
Herr Holstein, warum bietet das Fernstudieninstitut der BHT eine Weiterbildung zu Building Information Modeling (BIM) mit Autodesk Revit an?
Die Baubranche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Die Arbeitsweise und insbesondere die Zusammenarbeit aller Beteiligten wird zunehmend digitaler. BIM unterstützt diese Entwicklung, indem Informationen und Fachmodelle digital zusammengeführt und für die verschiedenen Projektbeteiligten nutzbar gemacht werden.
Vereinfacht gesagt: Bei der BIM-Arbeitsweise wird ein Bauwerk zweimal gebaut – erst virtuell im Rechner und anschließend real. So können die Beteiligten bereits in der Planungsphase ihre Modelle zusammenführen und auf Kollisionen prüfen. Genau darin liegt ein wesentlicher Vorteil.
BIM bedeutet also weit mehr als nur das Erstellen eines digitalen 3D-Modells?
Absolut. Digitale Modelle bilden eine wichtige Grundlage, aber BIM umfasst weit mehr als die reine Modellierung. Im Mittelpunkt stehen die strukturierten Prozesse des Informationsmanagements und der Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten. Dabei spielen unter anderem die DIN EN ISO 19650 und die VDI 2552 eine wichtige Rolle, da sie grundlegende Prinzipien, Anforderungen und Prozesse für die BIM-basierte Zusammenarbeit beschreiben. Genau dieses Verständnis für die Prozesse, Standards und die praktische Anwendung ist ein zentraler Baustein unseres Kurses.
Warum ist es auch für BIM-Verantwortliche wichtig, selbst modellieren zu können?
Das Gebäudemodell ist das Herzstück jedes BIM-Workflows – ohne Modell kein BIM. Wer einmal selbst ein Modell aufgebaut und darin gearbeitet hat, entwickelt ein tieferes Verständnis für die logischen Zusammenhänge, die technischen Herausforderungen und die Qualitätsanforderungen an die Daten. Das ist für eine erfolgreiche Steuerung von BIM-Prozessen unerlässlich.
Für welche beruflichen Einsatzbereiche sind BIM-Kenntnisse besonders relevant?
BIM-Kenntnisse werden in unterschiedlichen Bereichen der Bau- und Immobilienwirtschaft zunehmend relevant. Bauverantwortliche benötigen BIM-Manager*innen, in Planungsbüros werden BIM-Gesamtkoordinator*innen gesucht, und auch ausführende Bauunternehmen entwickeln ihre Prozesse entsprechend weiter. Unsere Weiterbildung richtet sich an alle, die ihre BIM-Kompetenzen gezielt erweitern und sich für die digitale Zusammenarbeit in Bauprojekten qualifizieren möchten.
BIM wird häufig auch im Zusammenhang mit dem gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes genannt. Welche Rolle spielt dieser Aspekt?
Eine immer größere Rolle. Die Betrachtung endet heute nicht mehr mit der Fertigstellung. Wir brauchen digitale Daten für den effizienten Betrieb, für spätere Umbauten und schließlich für den Rückbau.
Gerade beim Rückbau geht es um Kreislaufwirtschaft und Urban Mining: Welche Materialien wurden verbaut und wie lassen sie sich sortenrein zurückgewinnen? Das Gebäude wird durch Konzepte wie den Gebäuderessourcenpass vom Bauwerk zum künftigen Materiallager. Das funktioniert aber nur, wenn relevante Eigenschaften im virtuellen Gebäudemodell präzise hinterlegt sind.